Tierheilkunde nach der reinen Lehre Hahnemanns - ist die überhaupt möglich, da doch die Symptome nur bei Prüfungen an Menschen gefunden wurden?
Ich teile mein Leben mit 4 Katzen und einem Hund. Außerdem gibt es unter meinen Verwandten und Freunden viele Tiernarren, so daß ich einen relativ großen Bekanntenkreis an Mitgeschöpfen aus dem Tierreich habe. Als überzeugte Anhängerin der "klassischen" (Einzelmittel) Homöopathie tue ich mich schwer, andere Heilweisen anzuwenden (Ausnahme ist die Akupunktur, womit ich aber, wegen der damit verbundenen technischen Probleme, Hund und Katze nicht behandle.) Darum übe ich mich nolens volens seit Jahren in der klassischen Homöopathie bei Tieren - unter recht günstigen Bedingungen, meine ich. Ich kenne ja die Patienten mehr oder weniger gut persönlich und muß mich daher nicht ausschließlich auf die Beobachtungsgabe ihrer Menschen verlassen.
Meine Erfahrung ist eindeutig, daß auch bei den Tieren das Simile gefunden werden kann. Mehr noch, wenn das passende Mittel gegeben wird, wirkt es so schnell und durchgreifend, wie wir es beim Menschen nur noch selten erleben dürfen.
Diese Eindeutigkeit der Reaktionen kompensiert dafür, daß man sich beim Tier meist auf relativ wenige Symptome stützen muß. Man ist letztendlich nur auf Beobachtungen angewiesen, und die subjektiven Bewertungen des Patienten fehlen. Ich mag zwar erkennen können, daß ein Hund, eine Katze unter Schmerzen leidet (obwohl selbst das sehr häufig nicht mit Sicherheit festzustellen ist). Niemand aber kann mir sagen, ob seine Schmerzen brennend, bohrend oder welcher Art auch immer sind. Es ist daher vielleicht das größte Problem in der Tierheilkunde, daß man nur selten eine genügende Anzahl eindeutiger Symptome erkennen kann, um sinnvoll nach ihrer Gesamtheit zu verordnen.
Weiterhin besteht eine andere allübergreifende Schwierigkeit. Welche Symptome der Menschen - die ja allein in der Materia Medica und damit auch den Repertorien verzeichnet sind - können auf welche Weise auf die Tiere übertragen werden?
Einige Beispiele mögen dies letztere Problem verdeutlichen:
Will man die klassische Homöopathie anwenden, dann bleibt in den meisten Fällen keine andere Wahl als zu probieren. Dabei ist es eine Hilfe, daß das sich passende Mittel schnell dadurch zeigt, daß es eindeutig hilft. Wenn es nach relativ kurzer Zeit - je nachdem wie akut ein Fall ist - nicht sehr deutlich besser geht, war das Mittel nicht richtig. Dann kann ein anderes versucht werden.
Weiterhin muß man sich sehr viel mehr als beim Menschen auf Leitsymptome verlassen. Ohne sie ist Behandlung der Tiere nach der reinen Lehre Hahnemanns schwerlich möglich.
Unter all diesen Voraussetzungen ist ein vorsichtiger Optimismus aber durchaus angebracht,denn:
Denn ohne solche “Übertragungen” kann man eine klassische Behandlung ebenfalls nur schwerlich durchführen..
Allerdings grenzen die Ideen, die man dafür als Behandler braucht, manchmal ans abenteuerliche. Z.B. dann, wenn eine Hundepatientin mit Gebärmutterproblemen immer wieder unvermittelt anfängt zu hecheln. Sind das nun Hitzewellen oder sind es keine?
Da fällt es manchmal schwer, auf dem Boden der Realität zu bleiben und immer daran zu denken, daß alle diese Übertragungen lediglich Möglichkeiten sind. Im obigen Falle kann z.B. Hecheln ja so vieles andere bedeuten: Schmerz, Erregung, Überempfindlichkeit gegen Wärme, Fieber. Die große Schwierigkeit also, Symptome eindeutig festzulegen.
Bei manchen Dingen steht man jedoch auf relativ festem Boden. So müßten eigentlich Schwangerschaftssymptome des Menschen und solche der Tiere in relativ hohem Grade äquivalent sein, was die Hormonlage betrifft.
Interessant wird diese Überlegung, wenn wir sie auf die Scheinträchtigkeit ausdehnen, die bei Hündinnen sehr oft vorkommt. Hier liegt sicherlich eine ähnliche hormonelle Lage vo rwie bei der Schwangerschaft. Ich meine mit "Scheinträchtigkeit" nicht jene Zeit, die oft damit bezeichnet wird, wenn die Hündin alle Zeichen einer Mutterschaft aufweist, d.h. also Milch produziert, ihre Spieltiere betreut etc. Ich meine die Periode zwischen der Hitze und der Zeit der “Scheinmutterschaft”, in die ja bei einer Befruchtung die Trächtigkeit gefallen wäre.
Oft zeigt das Tier während dieser Zeit Symptome, auf die man evt. menschliche Schwangerschaftssymptome übertragen kann.
Bei einem Krankheitsfall meiner jetzt neunjährigen Hündin war dies möglicherweise der Fall. Es zeigte sich auch, wie immer wieder zuvor und nachher, daß viele nicht oder nicht ganz passende Mittel der Wirkung eines guten Simile nicht im Wege stehen.
Vor etwa 2 Jahren hatte sie plötzlich auf dem Rücken eine offene, nässende Stelle, gut von der Größe eines halben Handtellers. Das Fell war dort wie weggeätzt. Als ich um die Wunde herum die langen Haare weggeschnitten hatte, sah es übel aus.
Das Tier zeigte keine Begleitsymptome, war ganz wie immer.
Gerade war die Hitze vorbei, sie fühlte sich - auch wie nach jeder Hitze - als werdende Mutter, war tranig und äußerst empört, wenn ein Rüde sie auch nur durch vorsichtiges Schnüffeln zu belästigen wagte.
Sie schien keinerlei Schmerzen oder Juckreiz zu haben, nur nachts, so gegen Mitternacht wurde sie unruhig und begann, sich zu lecken.
Weiterhin war die Möglichkeit nicht auszuschließen, daß sie zu viel salzige Leckerbissen bekommen hatte.
Also alles andere als eindeutige Symptome - das Probieren konnte und mußte beginnen.
Es wurde zwar etwas besser, aber überzeugend war die Wirkung nicht.
Jedes Mittel wurde jeweils allein gegeben und 1-2 Tage wirken lassen, was bei einem so akuten Fall hätte reichen müssen.
Aber es wollte einfach nicht richtig gut werden. Ich war im Begriff, die klassische Homöopathie zu verlassen und eine Eigenblutinjektion zu versuchen.
Als letzten Versuch nahm ich mir noch einmal ein anderes Repertorium als den Kent vor (das Repertorium zu Herings Leitsymptomen von Knerr). Darin fand ich die Beschreibung eines Ausschlags, die dem Erscheinungsbild bei meiner Hündin recht nahe kam und als Heilmittel Lachesis .
Also ein reines Lokalsymptom, aber zu diesem Zeitpunkt war ich wirklich nicht mehr wählerisch.
Lachesis C 30
Am nächsten Tag fing die Stelle an, sich von den Rändern her zu schließen, und in wenigen Tagen war die Haut wieder heil, lediglich eine dunklere Pigmentierung blieb zurück; auch die Haare wuchsen wieder normal nach.
Es ist anzunehmen, daß er obige Ausschlag auf eine hormonelle Störung zurückzuführen war, nur eben nicht auf eine Sepia-Störung, trotz des Verhaltens gegenüber den Rüden.Bei einer sich trächtig fühlenden Hündin war diese Ablehnung vielleicht auch ganz natürlich.
Später, nach der erfolgten Heilung, beim Nachkarten sozusagen, habe ich dann auch Begleitsymptome gefunden, die auf Lachesis gedeutet hätten, hätte ich sie damals gekannt oder entsprechend bewertet.
Von Jugend auf hatte Filusha ein schlechtes Fell, das bei einem Tibet Terrier eigentlich von überwältigender Fülle sein müßte. Weiterhin war sie fast von Anfang an nach jeder Hitze scheinträchtig gewesen, seitdem ich bei ihr mit 2 Jahren einmal die Hitze durch Hormontabletten unterdrücken mußte. Während dieser Scheinträchtigkeit hatte sie immer ihren Fellwechsel gehabt. Das ist deshalb auffällig, weil bei einem Tibet-Terrier die Hitze nicht alle 6 Monate vorkommt, sondern mit einem Zeitintervall von 7 - 9 Monaten. Daher hatte sich der Fellwechsel jeweils zu einer anderen Jahreszeit ergeben.
Im Kent gibt es unter: Kopf, Haarausfall eine Rubrik: Haarausfall während der Schwangerschaft, und darin als einziges Mittel und dreiwertig Lachesis. Wenn man die oben besprochene Übertragung Scheinträchtigkeit/Schwangerschaft vornimmt, scheint es bedeutsam, daß sich dieser Ausschlag zur Zeit des Haarwechsels und während der Scheinträchtigkeit manifestierte. Ein Bezug zu Lachesis könnte also damit in den gesamten Jahren vorgelegen haben.
Obwohl der Ausschlag nicht wiedergekommen ist, kann bei ihr von einer vollen Heilung keine Rede sein, denn die Hormonstörungen bestehen offensichtlich immer noch.
So lange wir noch keine auf die Tiere ausgerichtete Materia Medica haben, so lange müssen wir unsmit solchen Übertragungen, mit Ausprobieren und Schlüsselsymptomen behelfen.
Oft sind solche Leitsymptome Begleitsymptome.
Mit solchen Leit-Begleitsymptomen konnte ich bei einer meiner Katzen bisher immer wieder ein Symptomenbild in den Griff bekommen, bei dem ich mir nicht einmal sicher bin, ob man es überhaupt als krankhaft bezeichnen sollte, das für die Umwelt aber sehr belastend ist.
Eines der großen Probleme bei der Katzenhaltung kann eine plötzlich auftretende Unsauberkeit sein: die Tiere pinkeln dann plötzlich in der Wohnung rum, was das Zusammenleben für ihre Menschen gelinde gesagt zu einem schwierigen Problem macht. Die Tierärzte sind in den meisten Fällen machtlos. Diese Unsauberkeit hat meist psychische Gründe, aber selbst ein Tierpsychologe kann auch nur da helfen, wo eventuell aufgespürte Ursachen abgestellt werden können. Das ist jedoch nur in den seltensten Fällen machbar.
Diese Art der Reaktion auf psychischen Stress ist bei den Tieren draußen in der freien Natur wahrscheinlich sehr verbreitet. Sie stellt bestimmt eine sinnvolle Art für die Tiere dar, mit Nachwirkungen von Schreck und Angst, ihrem mannigfachen Frust, ihrer Eifersucht etc. umzugehen.
Das ist möglicherweise der Grund, warum es so schwierig ist, gerade dieses Symptom nachhaltig zu beeinflussen. Es zeigt nach der obigen Hypothese gar keine Störung der Lebenskraft an, sondern ist ein Zeichen ihrer Robustheit und Stabilität.
Man kann in manchen Fällen das Problem aber dennoch gedanklich angehen. Man kann überlegen, ob das Tier in einer gegebenen Situation wirklich mit Eifersucht, Frust etc .reagieren muß. Gibt es vielleicht Möglichkeiten einer Behandlung, die die Katze gegen die die verursachenden Situationen unempfindlicher macht?
Mein kastrierter Kater Max neigt zu dieser Symptomatik. Er ist großmütig - nie würde er, obwohl der größte und stärkste, sich beim Essen fassen vordrängen. Nie ist er beleidigt, wenn beim Empfang seiner Streicheleinheiten eines der anderen Tiere hinzukommt - er schnurrt dann nur um so lauter (sein Bruder Moritz dagegen dreht sich in einem solchen Fall um und stolziert weg).
Aber Max hat eben auch Schwächen: es muß eine Selbstverständlichkeit sein, daß er die Oberkatze ist - und das sehen die anderen nicht immer so. Besonders Teddy, seine Tochter, hat da ihre eigenen Ansichten. Einerseits liebt sie den Mäcki heiß und innig, und die meiste Zeit möchte sie eng mit ihm zusammen sein. Andererseits greift sie ihn oft an, wodurch er sich anscheinend in seiner Würde verletzt fühlt. Im Gegensatz zu Max ist sie von Natur aus recht aggressiv, diese Kämpfchen machen ihr Spaß. Danach, meint sie ,müßte alles wieder beim alten sein.
Den fried- und harmonieliebenden Max belasten diese plötzlichen, überraschenden Angriffe aber. Er faucht sie darum jedesmal an, wenn sie in seine Nähe kommt. Da aber die meiste Zeit Teddy gerne mit ihm schmusen möchte und deshalb seine Nähe sucht, wird er andauernd in seiner königlichen Ruhe gestört - und das scheint er nicht so recht zu verkraften.
Weiterhin sind direkt an der anderen Seite seiner Wohnungstür oft fremde Katzen und fordern ihn durch ihre bloße Anwesenheit, aber auch durch Kratzen an der Tür heraus - und er darf nicht raus, sie wegzujagen.
Vielleicht gibt es noch manchen Kummer mehr, von dem ich gar nichts weiß, weil ich mich als Nicht-Katze schließlich nur sehr begrenzt in ihn hineinversetzen kann.
Also kommt es seit Jahren zum Symptome Unsauberkeit. Bis jetzt habe ich es immer wieder wegtherapieren können, mit Hilfe der oben angesprochenen Begleit-Leitsymptome .
Beim letzten mal, als diese Unsauberkeit wieder anfing (das ist jetzt einige Monate her), war seine Reaktion auf unsere Teddy so stark betont, daß ich dieses Verhalten wirklich nicht mehr verständlich fand. Max brauchte sie nur irgendwo zu erblicken, dann ging wütendes Gefauche los, sodaß ich mir in meiner Wohnung wie in einer Arena vorkam.
Daraufhin hörte nicht nur die Unsauberkeit wieder einmal auf - Teddy und Max sind seither die besten Freunde.
Wenn man eigentlich garnichts finden kann, was einen vernünftigen Grund - selbst aus Katzensicht - abgeben könnte, kann man Mittel in Betracht ziehen, die in ihrem Bild eineStarke Über-Reaktion aufweisen, also z.B.
oder aber auch solch über-empfindliche Mittel wie Ignatia, Nux moschata etc.
Manchmal bedeutet eine solche Unsauberkeit, entgegen dem vorhin gesagten, aber sicher doch eine Verstimmung der Lebenskraft. Ich spreche nicht von Krankheiten wie Blasenentzündung oder Schließmuskelschwäche. Ich meine eine klassische Causa .
Ich differenziere dabei Causa von den vorherigen Beispielen auf solche Weise, daß der Umstand, der die Reaktion hervorgerufen hat, nicht mehr besteht. Die gesunde Reaktion wäre dann nach eventuell einer kurzen Symptomatik " vorbei ist vorbei" . Wenn aber dabei ein Symptom wie eben Unsauberkeit auftritt oder fortbesteht, muß man schon an eine Verstimmung der Lebenskraft denken.
Auf die Causabehandlung reagieren die Tiere genau so verblüffend wie auch die Menschen:
Der (kastrierte) Kater Julius meiner Nichte fing auf einmal mit dieser Pinkelei an. Auf meine Frage nach dem Zeitpunkt des Auftretens kam die prompte Antwort: seit unser Hund ihn gebissen hat .
Der Hund hatte also nach dem Katerchen geschnappt und hatte es so unglücklich erwischt, daß seine Nase beim Tierarzt genäht werden mußte.
Da gab es 2 Möglichkeiten als Causa : Arzneimittelwirkung (durch die beim Nähen notwendige Narkose) oder Folgen von Schreck. Ich gab Opium C 30 (Folgen von Schreck) trocken auf die Zunge und noch ein paar Kügelchen Nux vomica C 30 (Folgen von Arzneimittelwirkung) mit nach hause. Dies 2. Mittel nur zu nehmen, falls das erstere nach 3 Tagen noch keine Wirkung gehabt haben sollte.
Jedoch hörte auf das Opium diese Unsauberkeit so schlagartig auf, daß selbst mein Neffe, der der Homöopathie sehr abweisend gegenüber steht, stark beeindruckt war.
Es scheint so zu sein, daß sowohl Julius als auch Max dazu neigen, ihre Probleme über die Blase zu manifestieren. Es ist mir bei meinen Katzen deutlich geworden, wie sehr doch die verschiedensten Störungen bei demselben Tier immer wieder auf ähnliche Art zum Ausdruck kommen.
Eines von ihnen, ein jetzt 6-jähriger kastrierter Kater, obenerwähnter Bruder des Max, manifestiert offensichtlich seine Störungen immer auf der Haut.
Moritz hatte schon seit Jahren ein Hautproblem: kleine Knötchen bedeckten den gesamten Körper. Man konnte sie abschaben, wobei ein winziges Büschel Haare mitabging - Flohallergie diagnostizierte der Tierarzt. Die Flöhe sind nun einmal ein Problem bei der Katzenhaltung, da sind Flohbisse immer eine Möglichkeit, so daß ich diese Diagnose durchaus akzeptierte.
Da der Ausschlag dem Tier keinerlei Unannehmlichkeiten zu bereiten schien und keine Symptome zum Differenzieren vorhanden waren, gab ich ihm nur ab und zu einmal eines der Mittel, die im Kent unter der Rubrik Haut: Ausschlag, Tuberkel drei- oder zweiwertig verzeichnet sind, u.a.Thuja. Nach dem Lebensbaum wurden die Knötchen auch weniger, aber ganz weg gingen sie nicht.
Sie waren besonders schlimm unter dem Hals und hinter den Ohren. Unter dem Hals fing dann vor 2 Jahren ein offener Ausschlag an, eine kleine offene Stelle, die sich schnell vergrößerte und bald den gesamten Hals bedeckte. Der Tierarzt diagnostizierte eine Pilzerkrankung.
Nach Dr. Wolf (Unsere Hunde gesund durch Homöopathie) sind solche Ekzeme oft auf ein Zuviel an Salz zurückzuführen. Das war immerhin eine Möglichkeit. Man kann seiner Familie nie trauen, daß sie nicht Wurst und Schinken zum Naschen geben. Also gab ich zuerst Mittel als Antidot zu Salz
alle in der Hochpotenz (C30 oder C200), jedes einzeln, bei jedem wurde einige Tage abgewartet.
Keinerlei Wirkung.
Als auffallendes Symptom war zu bemerken, daß Moritz diese Stellen garnicht zur Kenntnis nahm, er schien weder Jucken noch Schmerzen zu empfinden. Er war auch keinesfalls in seinem Allgemeinverhalten gestört (obwohl der Hals so übel aussah, daß alle meine Besucher entsetzt waren).
Weitere Symptome konnte ich nicht finden.
Ein führendes Mittel für Ausschlag ohne Juckreiz ist der Phosphor - aber der war ja schon bei den Anti-Salz Mitteln gegeben worden.
Als nächstes gab ich, weil er keine Schmerzen hatte, - denn wie ich schon sagte, derAusschlag sah übel aus - zuerst Opium, dann Stramonium (Kent Allgemeinesymptome -keine Schmerzen, wo solche erwartet werden sollten).
Na ja, - es war so ein Na ja Fall. Es wurde besser, aber von einer durchschlagenden Wirkung konnte wirklich nicht die Rede sein.
Erst nach Psorinum ging es eindeutig bergauf. Die offene Stelle schloß sich, die Haare wuchsen nach.
Psorinum hatte ich nach klinischen Gesichtspunkten gewählt, wegen seines Bezuges zur Haut. Sulfur schien mir weniger zu passen, weil Moritz selbst für eine Katze sehr wärmeliebend ist.
Es blieb ein unbefriedigtes Gefühl zurück. Die vormals offene Stelle fühlte sich knotig an.Es sah einfach nicht nach einer vollen homöopathischen Heilung aus, auch weitere Gaben von Psorinum änderten daran nichts.
Nach etwa einem Jahr fing es wieder an, diesmal am Kopf, zwischen Ohren und Augen. Aber jetzt waren die Stellen einer Inspektion besser zugängig. Vorher hatte der Kater eine solche nicht gern geduldet, da ich ihm dazu den Kopf hochheben mußte. Deshalb hatte ich die Stelle unter dem Kinn am Hals nie so richtig eingehend und lange betrachtet.
Jetzt fiel mir etwas auf, was ich vorher nicht bemerkt hatte: es waren die Knötchen, die aufbrachen.
Wegen der vorherigen recht guten Wirkung von Thuja, gab ich wieder dieses Mittel. Es half auch wieder prompt, die Stellen am Kopf schlossen sich.
Dafür ging es am Hals wieder los Ich machte mir darüber kein Sorgen, war diese Sache doch vorher schon einmal dagewesen.
Aber jetzt trat zusätzlich ein neues Symptom auf: Erbrechen - meist von unverdautem Futter, manchmal auch lediglich von etwas Schleim vermischt mit Blut.
Als ich auf dieses Symptom hin repertorisierte, fand ich sehr hochwertig Kalium bichromicum. Inzwischen hatte ich mir auch die Rubrik Ausschlag, Tuberkel einmal genauer angesehen und eine Unterrubrik gefunden: Tuberkel brechen auf. Da gibt es nur wenige Mittel, von diesen keines dreiwertig und nur vier 2-wertig. Eines von den letzteren ist Kalium bichromicum.
In der C 30 gegeben, war nun die echt homöopathische Wirkung da: das Erbrechen hörte schlagartig auf, innerhalb von wenigen Tagen war der Ausschlag abgeheilt, die Haut darunter fühlte sich diesmal wunderschön glatt an. In den nächsten Wochen verschwanden auch die Knötchen am gesamten Körper.
Aber dieser Ausschlag kommt auf die eine oder andere Weise immer wieder und scheint immer wieder andere Mittel zu benötigen. Dabei stellt sich dann die Frage, ob eine tiefe Störung vorliegt, die noch nicht geheilt ist, die vielleicht sogar unheilbar ist. Das würde also bedeuten, daß die Mittel immer nur palliativ gewirkt hätten. Oder reagiert Moritz einfach die Belastungen, die sich bei seinem Bruder über die Blase manifestieren, über die Haut ab? Auch dies würde immmerhin noch eine gesunde Reaktion darstellen.
Vor einigen Monaten hatte er eine Nierenstörung. Auch diese war mit einem Wiederaufflammen des Ekzems verbunden. Nach ihrer Besserung (diesmal durch Sabal Serrulata, weil der Verdacht von Harngries vorlag) verschwand der Ausschlag wieder. Vor einigen Wochen trat er wieder auf. Ich vermute ein Wiederaufflammen der Nierengeschichte.
Die chronische Nierenentzündung ist eines der größten Probleme heutzutage bei Katzen. Sie sind sehr empfindlich in Bezug auf Gifte. Ich nehme daher an, daß sie in besonderem Maße von den Umweltgiften belastet werden, die sie ja auch im Futter recht hochkonzentriert vorfinden. (Selbst Vegetarierin, habe ich es noch nicht fertiggebracht, meine Tiere auch fleischlos zu ernähren). Es sieht so aus, daß der locus minoris resistentiae in Bezug auf Gift bei den Katzen nicht die Leber sondern die Niere ist.
Wenn diese Hypothese stimmt, ist eine Behandlung mit Antibiotika oder Sulfonamiden ,die der Tierarzt vorher verordnete (ich aber nicht durchgeführt hatte), eher kontraindiziert.Gerade bei Katzen habe ich auch, aus der traditionellen chinesischen Medizin, starke Bedenken gegen diese Mittel, wenn sie nicht ganz eindeutig angezeigt sind.
Deshalb behandle ich jetzt wieder mit Sabal serrulata D4 und Okoubaka (zur Entgiftung), beides nach Dr. Wolf und hoffe, daß sich weitere Symptome zeigen, die auf ein passenderes Mittel deuten. Daß Sabal serrulata nur begrenzt paßt zeigt sich ja dadurch,daß die Nierenentzündung anscheinend nicht geheilt worden war.
Denn gerade das scheint sich herauszukristallisieren: fern davon, daß die Gaben von nicht ganz passenden Mitteln die Heilungschancen verderben, zeigt sich viel eher, daß dabei das Geist/Körper-System - zumindes des Tier-Patienten - sich geradezu bemüht,uns Hinweise für das Weiterführen der Behandlung zu geben.
Da ich fast immer Hochpotenzen gegeben habe, kann ich nur entschlossen der Meinung widersprechen, daß sie nicht in solchen Fällen zu geben seien, wo man sich seiner Sache nicht ganz sicher ist. Dann würden bei Tieren Hochpotenzen fast niemals indiziert sein -eine Ansicht, die viele Tierhomöopathen auch vertreten.
Ich selbst fühle mich mit Tiefpotenzen nicht allzu wohl, was wohl daher rührt, daß ich mit ihnen nur wenig Erfahrung habe. Erfahrung habe aber gerade deshalb nicht, weil ich nie einen Grund gesehen habe, eine Hochpotenz nicht zu geben. Die Hochpotenzen wirken schnell, sicher und sanft, bei Tieren genau so wie bei den Menschen. Hahnemann hat sieja schließlich gerade dieser Eigenschaften wegen entwickelt. (Die LM-Potenzen vermeide ich wegen des Alkoholgehalts, der zumindest bei Katzen nicht unproblematisch ist.)
Die schnellste und objektiv gesehen überzeugendste Heilung habe ich mit einerHochpotenz erlebt, wo selbst ich der Überzeugung war, eine Tiefpotenz geben zu sollen.
Meine Hündin hatte sich einen Zeh gebrochen. Es bestand keinerlei Schwellung, es hatte sich nichts dramatisches ereignet, so daß ich lange davon überzeugt war, sie hätte sichden Fuß lediglich vertreten und Rhus tox. etc. ohne jegliche Wirkung gab.
Sie schonte die Pfote von sich aus. Ich hätte es dabei belassen und gewartet, bis es von selbst besser werden würde. Nur konnte mein Sohn das Humpeln nach vielleicht einer Woche nicht mehr mit ansehen und schleppte sie zum Tierarzt. Die Röntgendiagnose ergab eindeutig den Bruch einer Zehe. Es wurde vom Tierarzt nichts unternommen ,lediglich die Anweisung gegeben: weiterhin schonen .
Mein Symphitum D4, das ich im allgemeinen für solche Fälle parat habe, war aufgebraucht, die Apotheken geschlossen. Ohne viel Hoffnung gab ich darum Symphitum C200, das ich aus irgendeinem nicht mehr eruierbaren Grunde in meiner Apotheke aufbewahrte. Am nächsten Tage wollte ich eine Tiefpotenz plus Calcium phos.nachschieben.
Wie groß war mein Erstaunen, als am Abend darauf mein Tier wieder auf seinem Pfötchen auftrat und nur noch ganz leicht hinkte. - Ein Tag später war alles vergessen.
Eine volle Heilung war auch der nächste Fall, der vielleicht, wegen der hoffnungslosen Prognose, mein schönster Erfolg gewesen ist.
Es handelte sich um Phyllis, eine damals 18 Monate alte Katze. Sie war vor meinen Augen geboren worden und aufgewachsen, da sie im gleichen Hause, bei meinerSchwester, geblieben war. Ich hing also sehr an ihr.
Plötzlich fing sie an, auf der Hinterhand zu lahmen und hatte offensichlich starke Schmerzen bei der Bewegung. Der Tierarzt diagnostizierte, daß man zu viele Innereiengefüttert habe. Sie müsse eingeschläfert werden, da diese Krankheit unheilbar sei.
Gerade vor einigen Monaten war ein älterer Kater deswegen eingeschläfert worden, den ich mit Nux vomica einige Zeit recht schmerzfrei gehalten hatte. Auf dieses Mittel war ich gekommen, weil es bei einer ähnlichen Symptomatik, der Teckellähme, geradezu das klassische Heilmittel sein soll.
Deshalb bat ich meine Schwester, mit der Euthanasie noch eine Weile zu warten und gab Nux vomica C30.
Danach änderte sich das Bild.
Phyllis wollte nur noch draußen im kühlen Flur liegen.
Die Schmerzen waren offensichlich besser bei Ruhe, aber auch nachdem sie sicheine Weile bewegt hatte, schienen sie nachzulassen.
Die Behinderung griff von der hinteren rechten Seite auf das vordere Schultergelenk über.
Auffallende Symptome waren dabei das starke Verlangen nach Kühle - für Phyllis sehr ungewöhnlich - und das Wechseln der Behinderung überkreuz. Diese beiden Symptome mußten bei dem Mittel sicherlich hochwertig gegeben sein. Das traf nur zu auf Ledum.
Keine Wirkung.
Daraufhin habe ich noch einmal neu überlegt. Das Verlangen nach Kühle konnte meiner Meinung nach nicht ausgeklammert werden, es war sowohl für eine solche Beschwerde als auch speziell für Phyllis allzu ungewöhnlich. Wie war es aber mit dem überkreuz-Springen? Da es bisher nur einmal vorgekommen war, konnte dies ja zufällig sein. Vielleicht würde auch das Symptom wandernde Schmerzen der Sachlage gerecht werden.
Ein Mittel, für das beide Symptome im höchsten Grade zutreffen ist die Küchenschelle.
Nach Pulsatilla, einmal in der C200 gegeben, setzte sofort die Besserung ein. Nach 3 Wochen war der Katze nichts mehr anzumerken.
Jetzt, nach 4 Jahren Beobachtungszeit ist kein Zeichen der Symptomatik zurückgekehrt, noch auch irgendwelche anderen Krankheitszeichen.
Wir, die die Tiere klassisch homöopathisch behandeln wollen, sind noch recht alleingelassen.Einmal habe ich ein Seminar in Tierhomöopathie besucht. Seit dieser Zeit schlage ich mich mit der Frage herum, wieso der Dozent ein Pferd, das dabei war, sein neugeborenes Fohlen zu töten, mit einer Gabe von Natrium mur. in eine gute Mutter verwandelt hat. Das dies so war, bezweifele ich keinesfalls. Nur, als ich danach fragte, auf welche Weise er das Mittel gefunden habe, reichte er mir mit einem unendlich mitleidigen Lächeln den Börecke rüber.
Aber weder dort, noch in einem Repertorium, noch in einer anderen mir zugänglichen Materia medica habe ich die Antwort darauf gefunden.
Den obigen Artikel habe ich 1991 geschrieben. Alle Tiere, von denen ich oben berichtet habe, sind inzwischen tot. Allen haben ich in den letzten Stunden Ars.album gegeben - alle außer Moritz sind sanft hinübergeglitten. Vielleicht hätte er ein anderes Mittel - evt.Phosphor - gebraucht.
Teddy war die erste - sie war erst 8 Jahre alt. Sie hatte nie homöopathische Mittel bekommen, war anscheinend immer gesund gewesen. Dann starb sie innerhalb von 3 Tagen nach Auftreten der ersten Symptome an akutem Nierenversagen - wohl als Folge eines langandauernden, symptomenlosen chronischen Nierenversagens.
Der Grund für die Hervorhebung oben ist, dass viele Homöopathen es für gefährlich halten, so viele verschiedene homöopathische Mittel zu geben. Meine anderen Tiere mit ihren so vielen und vielerlei Mitteln - ich habe natürlich nicht alles erzählt, was sie so im Laufe ihres Lebens bekommen haben - haben alle ein hohes Alter erreicht.
Sie haben auch nach dem oben erzählten noch lange gelebt - und noch viele weitere Mittel bekommen.
Einen weiteren Fall will ich hier noch nachtragen.
Wie schon oben befürchtet, waren die Probleme mit Moritz und seinem Hautausschlag durch die Gabe von Kalium bichromicum nicht vorbei - es war keine echte Heilung eingetreten. Der Hautauschlag kam einige Zeit später wieder und so massiv wie nie zuvor, große Flächen haarloser, wunder, nässender Haut, die zusammengenommen wohl die Hälfte seines Körpers bedeckt hätten. Anders als zuvor hat ihn das sehr beeinträchtigt, er magerte zum Skelett ab. Ich weiß nicht mehr, was ich ihm alles gegeben habe - nichts half. Er wurde einsiedlerisch, sonderte sich ab und wollte immer auf der höchsten Stelle meiner zweigeschossigen Wohnung liegen - ausgerechnet dem schmalen Treppengeländer. Ob dies nun war, weil es die höchste Stelle war oder weil es die schmalste Unterlage war - wer kann das entscheiden. Ich habe versucht, auf diesesSymptom nach $ 153 zu behandeln - alle meine “Übertragungen” waren fruchtlos.
Endlich fiel mir auf, dass dieser Ausschlag dem sehr ähnlich war, den etwa 1 Jahr früher meine Hündin gehabt hatte. Allein daraufhin gab ich
Ich konnte außer diesem Lokalsymptom nichts, aber auch garnichts feststellen, was auf das Mittel hingewiesen hätte, und wenn ich nicht so verzweifelt gewesen wäre, hätte iches sicher nicht gegeben.
Aber - es stellte sich heraus, dass es sein “Simillimum” war!
Innerhalb von Stunden ging der Ausschlag zurück, nach ein paar Tagen war er weg. Moritz nahm zu, verhielt sich “gesund” und ist so geblieben. Nach Lachesis hat er kaum jemals wieder etwas gebraucht oder bekommen und hat danach noch etwa 11 Jahre gelebt - er war 17 Jahre alt als er gestorben ist.