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Das Wesen der Krankheit
§7
Da man nun an
einer Krankheit, von welcher keine sie offenbar veranlassende oder
unterhaltende Ursache (causa occasionalis) zu entfernen ist (1)
sonst nichts wahrnehmen kann, als die Krankheits-Zeichen.....
......so muß......
die Gesammtheit dieser ihrer Symptome, dieses nach außen
reflectirende Bild des innern Wesens der Krankheit, d.i. des
Leidens der Lebenskraft,.....
...die Gesammtheit (1)
der Symptome für den Heilkünstler das Hauptsächlichste,
ja Einzige sein, was er an jedem Krankheitsfalle zu erkennen .... hat
§8
Es läßt
sich nicht denken, auch durch keine Erfahrung in der Welt
nachweisen, daß, nach Hebung aller Krankheitssymptome und
des ganzen Inbegriffs der wahrnehmbaren Zufälle, etwas
anders, als Gesundheit, übrig bliebe oder übrig bleiben
könne, so daß die krankhafte Veränderung im Innern
ungetilgt geblieben wäre (2).
Wenn
jemand dergestalt von seiner Krankheit durch einen wahren
Heilkünstler hergestellt worden, daß kein Zeichen von
Krankheit, kein Krankheits-Symptom mehr übrig und alle
Zeichen von Gesundheit dauernd wiedergekehrt sind, kann man bei
einem solchen, ohne dem Menschenverstande Hohn zu sprechen, die
ganze leibhafte Krankheit doch noch im Innern wohnend
voraussetzen?
§11
Wenn der
Mensch erkrankt, so ist ursprünglich nur diese geistartige,
in seinem Organism überall anwesende, selbstthätige
Lebenskraft (Lebensprincip) durch den, dem Leben feindlichen,
dynamischen* Einfluß eines krankmachenden
Agens verstimmt; nur das zu einer solchen Innormalität
verstimmte Lebensprincip, kann ......
dem Organism
die widrigen Empfindungen verleihen und ihn so zu regelwidrigen
Thätigkeiten bestimmen, die wir
Krankheit nennen, denn dieses, an sich unsichtbare und bloß
an seinen Wirkungen im Organism erkennbare Kraftwesen, giebt seine
krankhafte Verstimmung nur durch Aeußerung von Krankheit in
Gefühlen und Thätigkeiten, (die einzige, den Sinnen des
Beobachters und Heilkünstlers zugekehrte Seite des
Organisms), das ist, durch Krankheits-Symptomen zu erkennen und
kann sie nicht anders zu erkennen geben.
* Was ist
dynamischer Einfluß, dynamische Kraft?
Wir nehmen wahr, daß
unsere Erde durch eine heimliche, unsichtbare Kraft ihren Mond in
28 Tagen und etlichen Stunden um sich herumführt und wie
dagegen der Mond unsere nördlichen Meere abwechselnd in
festgesetzten Stunden zur Fluth erhebet und in gleichen Stunden
wieder zur Ebbe sinken läßt (einige Verschiedenheit
beim Voll- und Neumonde abgerechnet)Wir sehen
dieß und erstaunen, weil unsere Sinne nicht wahrnehmen, auf
welche Weise dieß geschieht. Offenbar geschieht es nicht
durch materielle Werkzeuge, nicht durch mechanische
Veranstaltungen, wie menschliche Werke. Und so sehen wir noch
viele andere Ereignisse um uns her, als Erfolge von der Wirkung
der einen Substanz auf die andere, ohne daß ein sinnlich
wahrnehmbarer Zusammenhang zwischen Ursache und Erfolg zu erkennen
wäre
Der kultivirte, im Vergleichen und Abstrahiren geübte
Mensch, vermag allein, sich dabei eine Art übersinnliche Idee
zu bilden, welche hinreicht, um, beim Auffassen solcher Begriffe,
alles Materielle oder Mechanische in seinen Gedanken davon
entfernt zu halten; er nennt solche Wirkungen dynamische,
virtuelle, das ist, solche, die durch absolute, spezifische, reine
Macht und Wirkung des Einen auf das Andere, erfolgen. So ist z.B.
die dynamische Wirkung der krankmachenden Einflüsse auf den
gesunden Menschen, sowie die dynamische Kraft der Arzneien auf das
Lebensprincip, um den Menschen wieder gesund zu machen, nichts als
Ansteckung und so ganz und gar nicht materiell, so ganz und gar
nicht mechanisch, als es die Kraft eines Magnetstabes ist, wenn er
ein, in seiner Nähe liegendes Stück Eisen oder Stahl mit
Gewalt an sich zieht. Man sieht, daß das Stück Eisen
von einem Ende (Pole) des Magnetstabes angezogen wird; aber wie es
geschieht, sieht man nicht. Diese unsichtbare Kraft
des Magnets bedarf, um das Eisen an sich zu ziehen, keines
mechanischen (materiellen) Hülfsmittels, keines Hakens oder
Hebels; sie zieht es an sich und wirkt so auf das Stück
Eisen, oder auf eine Nadel von Stahl mittels einer reinen
immaleriellen, unsichtbaren, geistartigen, eignen Kraft, das ist
dynamisch, theilt auch der Stahl-Nadel die magnetische Kraft eben
so unsichtbar (dynamisch) mit; die Stahl-Nadel wird, auch wenn der
Magnet sie nicht berührt, auch schon in einiger Entfernung
von ihm, selbst magnetisch und steckt wieder andere Stahl-Nadeln
mit derselben magnetischen Eigenschaft (dynamisch) an, womit sie
vom Magnetstabe vorher angesteckt worden war, so wie ein Kind mit
Menschen-Pocken oder Masern behaftet, dem nahen, von ihm nicht
berührten, gesunden Kinde, auf unsichtbare Weise (dynamisch)
die Menschen-Pocken oder die Masern mittheilt, das ist, es in der
Entfernung ansteckt, ohne daß etwas Materielles von dem
ansteckenden Kinde in das anzusteckende gekommen war, oder
gekommen sein konnte, so wenig als aus dem Pole des Magnetstabes
etwas Materielles in die nahe Stahl-Nadel. Eine bloß
spezifische, geistartige Einwirkung theilte dem nahen Kinde
dieselbe Pocken- oder Masern-Krankheit mit, wie der Magnetstab der
ihm nahen Nadel, die magnetische Eigenschaft.
......Und auf
ähnliche Weise ist die Wirkung der Arzneien auf den lebenden
Menschen zu beurtheilen. Die Natur-Substanzen, die sich uns als
Arzneien beweisen, sind nur Arzneien in sofern sie (jede eine
eigne spezifische) Kraft besitzen, das menschliche Befinden zu
ändern durch dynamische, geistartige Einwirkung (mittels der
lebenden, empfindlichen Faser) auf das geistartige, das Lehen
verwaltende Lebensprincip.
Das
Arzneiliche jener Natur-Substanzen, die wir im engern Sinne
Arzneien nennen, bezieht sich bloß auf ihre Kraft,
Veränderungen im Befinden des thierischen Lebens hervor zu
bringen; bloß auf dieses, auf das geistartige Lebensprincip,
erstreckt sich dessen, Befinden ändernder, geistartiger
(dynamischer) Einfluß; so wie die Nähe eines
Magnet-Poles dem Stahle nur magnetische Kraft mittheilen kann, (und
zwar durch eine Art Ansteckung) aber nicht andere Eigenschaften,
(nicht z. B. mehr Härte oder Dehnbarkeit, u.s.w.)
Und so
verändert auch jede besondere Arznei-Substanz, durch eine Art
von Ansteckung, das Menschen-Befinden auf eine, ihr ausschließlich
eigenthümliche Weise, und nicht auf die einer andern Arznei
eigne, so gewiß die Nähe eines Pocken kranken Kindes
einem gesunden Kinde nur die Menschen-Pocken-Krankheit mittheilen
wird und nicht die Masern. Dynamisch,
wie durch Ansteckung, geschieht diese Einwirkung der Arzneien auf
unser Befinden, ganz ohne Mittheilung materieller Theile der
Arznei-Substanz.
..........
Ist es denn
unserm, als so reich an aufgeklärten und denkenden
Köpfen gerühmten Zeitalter so ganz unmöglich,
dynamische Kraft als etwas Unkörperliches zu denken, da man
doch täglich Erscheinungen sieht, die sich nicht auf andere
Weise erklären lassen!
Wenn Du etwas
ekelhaftes ansiehst und es hebt sich in Dir zum Erbrechen, war da
etwa ein materielles Brechmittel in Deinen Magen gekommen, was ihn
zu dieser antiperistaltischen Bewegung zwang? War es nicht einzig
die dynamische Wirkung des ekeln Anblicks auf Deine
Einbildungskraft allein? Und, wenn Du Deinen Arm aufhebst,
geschieht es etwa durch ein materielles, sichtbares Werkzeug?
einen Hebel? Ist es nicht einzig die geistartige, dynamische Kraft
Deines Willens, die ihn hebt?
§12
Einzig die
krankhaft gestimmte Lebenskraft bringt die Krankheiten hervor (1),
so daß die, unsern Sinnen wahrnehmbare Krankheits-Aeußerung
zugleich alle innere Veränderung, das ist, die ganze
krankhafte Verstimmung der innern Dynamis ausdrückt und die
ganze Krankheit zu Tage legt. Hinwiederum bedingt aber auch das
Verschwinden aller Krankheits-Aeußerungen, das ist,
aller vom gesunden Lebens-Vorgange abweichenden, merkbaren
Veränderungen mittels Heilung, eben so gewiß die
Wiederherstellung der Integrität des Lebens-Princips und
setzt folglich die Wiederkehr der Gesundheit des ganzen Organism
nothwendig voraus.
1) Wie die
Lebenskraft den Organism zu den krankhaften Aeußerungen
bringt, d.i. wie sie Krankheit schafft; von diesem Wie und Warum
kann der Heilkünstler keinen Nutzen ziehen und sie wird ihm
ewig verborgen bleiben; nur was ihm von der Krankheit zu wissen
nöthig und völlig hinreichend zum Heilbehufe war, legte
der Herr des Lebens vor seine Sinne.
§13
Daher
ist Krankheit (die nicht der manuellen Chirurgie anheimfällt),
keinesweges wie von den Allöopathen geschieht, als ein vom
lebenden Ganzen, vom Organism und von der ihn belebenden Dynamis
gesondertes, innerlich verborgnes, obgleich noch so fein gedachtes
Wesen (ein Unding (1), was bloß in materiellen Köpfen
entstehen konnte und der bisherigen Medicin seit Jahrtausenden
alle die verderblichen Richtungen gegeben hat die sie zu einer
wahren Unheilkunst schufen) zu betrachten.
1) Materia
peccans!
§14
Es giebt
nichts krankhaftes Heilbare und nichts unsichtbarer Weise
krankhaft verändertes Heilbare im Innern des Menschen, was
sich nicht durch Krankheits-Zeichen und Symptome dem genau
beobachtenden Arzte zu erkennen gäbe, - ganz der unendlichen
Güte des allweisen Lebenserhalters der Menschen gemäß.
§15
Das Leiden
der krankhaft verstimmten, geistartigen, unsern Körper
belebenden Dynamis (Lebenskraft) im unsichtbaren Innern und der
Inbegriff der von ihr im Organism veranstalteten, äußerlich
wahrnehmbaren, das vorhandene Uebel darstellenden Symptome, bilden
nämlich ein Ganzes, sind Eins und Dasselbe. Wohl ist der Organism
materielles Werkzeug zum Leben, aber ohne Belebung von der
instinktartig fühlenden und ordnenden Dynamis so wenig
denkbar, als Lebenskraft ohne Organism; folglich machen beide eine
Einheit aus, obgleich wir in Gedanken diese Einheit, der leichtern
Begreiflichkeit wegen in zwei Begriffe spalten.
§.16
Von
schädlichen Einwirkungen auf den gesunden Organism, durch die
feindlichen Potenzen, welche von der Außenwelt her das
harmonische Lebensspiel stören, kann unsere Lebenskraft als
geistartige Dynamis nicht anders denn auf geistartige (dynamische)
Weise ergriffen und afficirt werden und alle solche krankhafte
Verstimmungen (die Krankheiten)....
§.17
.......1) So wie
auch die höchste Krankheit durch hinreichende Verstimmung des
Lebensprincips mittels der Einbildungskraft zuwege gebracht und so
auf gleiche Art wieder hinweg genommen werden kann. Ein
ahnungartiger Traum, eine abergläubige Einbildung, oder eine
feierliche Schicksal-Prophezeiung des, an einem gewissen Tage oder
zu einer gewissen Stunde unfehlbar zu erwartenden Todes, brachte
nicht selten alle Zeichen entstehender und zunehmender Krankheit
des herannahenden Todes und den Tod selbst zur angedeuteten Stunde
zuwege, welches ohne gleichzeitige Bewirkung der (dem von außen
wahrnehmbaren Zustande entsprechenden) innern Veränderung
nicht möglich war;.....
§18
Von dieser
nicht zu bezweifelnden Wahrheit, daß, außer der
Gesammtheit der Symptome, unter Hinsicht auf die begleitenden
Umstände (§ 5) an Krankheiten auf keine Weise etwas
auszufinden ist,....
§22
Indem aber an
Krankheiten nichts aufzuweisen ist, was an ihnen hinwegzunehmen
wäre, um sie in Gesundheit zu verwandeln, als der Inbegriff
ihrer Zeichen und Symptome
§29
Indem jede
(nicht einzig der Chirurgie anheim fallende) Krankheit nur in
einer besondern, krankhaften, dynamischen Verstimmung unserer
Lebenskraft (Lebensprincips)
in Gefühlen und Thätigkeiten besteht
§31
1)Wenn ich
die Krankheit eine Stimmung oder Verstimmung des menschlichen
Befindens nenne, so bin ich weit entfernt, dadurch einen
hyperphysischen Aufschluss über die innere Natur der
Krankheiten überhaupt, oder eines einzelnen Krankheitsfalles
insbesondere geben zu wollen. Es soll mit diesem Ausdrucke nur
angedeutet werden, was die Krankheiten erwiesener Massen nicht
sind, und nicht seyn können, nicht mechanische oder
chemische Veränderungen der materiellen Körpersubstanz
und nicht von einem materiellen Krankheits-Stoffe abhängig -
sondern bloss geistartige, dynamische Verstimmungen des Lebens.
§148
Die
natürliche Krankheit ist nie als eine irgendwo, im Innern
oder Aeußern des Menschen sitzende, schädliche Materie
anzusehen (§. 11., § 13.), sondern als von einer
geistartigen, feindlichen Potenz erzeugt, die, wie durch eine Art
von Ansteckung (Anm. zu §. 11), das im ganzen Organism
herrschende, geistartige Lebensprincip in seinem instinktartigen
Walten stört, als ein böser Geist quält und es
zwingt, gewisse Leiden und Unordnungen im Gange des Lebens zu
erzeugen, die man (Symptome) Krankheiten nennt
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